Passage Karl-Marx-Str.131/133 und Richardstr.12-13

Lageplan 1888

In der Gründerzeit befanden sich auf dem Grundstück die Hoffmann`schen Festsäle und später die Thiel`schen Festsäle. Diese bestanden anfangs aus einem Tanzsaal und vergrößerten sich bis 1900 durch Bartas Gasthaus und Ludwig Niesigks Salon. Seinerzeit nannte sich die Karl-Marx-Straße noch Bergstraße. Um 1888 waren auf dem Gelände eine Gaststätte, ein 280,00m² großer Tanzsaal sowie ein Theatersaal, Kegelbahnen und eine offene Gartenhalle angesiedelt. Es fanden Bälle, Geflügelausstellungen, Schlachterfeste und Freikonzerte statt. Die Versammlungsstätte war auch für spiritistische Vereine wie „Empor zum Licht“ und den Artistenverein „Viktoria“ oder den Gesangverein „Melodia“ ein Treffpunkt.

1908 wurden die vorhandenen Gebäude von dem Kaufmann Paul Daedrich abgerissen. Nach Maßgaben des Stadtbaurates Reinhold Kiehl plante der Architekt Paul Ed. Hoppe den Neubau der Passage. Die Bauarbeiten wurden 1910 fertig gestellt. Das Gebäude bestand nun aus zwei giebelständigen Vorderhäusern zur Karl-Marx-Straße, die durch ein zweigeschossiges Thorhaus verbunden sind. Deren Seitenflügel wurden bis zur Richardstraße durchgebaut und mit einem fünfgeschossigen Brückenhaus verbunden. Die zwei unterschiedlich großen Höfe sind zur Karl-Marx-Straße und zur Richardstraße offen und mit einem Durchgang verbunden.

Die Vorderhäuser und Seitenflügel sind Wohnbauten mit Ladengeschäften im Erdgeschoss. Das Brückengebäude ist für gastronomische und kulturelle Nutzung konzipiert und mit großen repräsentativen Rundbogenfenstern ausgestattet.
Im nördlichen Erdgeschoss befand sich eine Gaststätte, zu der ein großer Ball- und Tanzsaal gehörte. Ein Kino- und Theatersaal befanden sich im ersten und zweiten Obergeschoss. Gegenüber der Gaststätte lag das Kinofoyer im südlichen Erdgeschoss. Im Kellergeschoss gab es sechs Kegelbahnen. Das Passage-Restaurant wurde von wechselnden Betreibern gepachtet und in den letzten Jahren bis 1984 von der Musikkneipe „Tarantel“ bespielt. Das Kino wurde 1913 umgebaut und 1920 zum „Passage Lichtspieltheater“ umbenannt. 1968 wurde es geschlossen.
Der Festsaal im dritten Obergeschoss wurde durch den Zeitgeist widerspiegelnde Nutzung über Jahrzehnte betrieben mit Bällen, Tanztees, Konzerten und Marionettenaufführungen. Zur Zeit des Nationalsozialismus hielten Angehörige der SA Trinkgelage im Festsaal ab. Im zweiten Weltkrieg wurde die Passage zur „Volksküche“. Auf den Höfen wurde Essen an Obdachlose ausgegeben.

Nach dem Krieg wurde sie umbenannt in „Gesellschaftshaus Neukölln“. Im Festsaal fanden bunt gemischte und politische Veranstaltungen linker und linksradikaler Gruppen und Parteien statt. In den 70er Jahren probte die Schaubühne und der Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde, Heinz Galinski, sprach häufig im großen Saal. Die Internationalen Kulturtage fanden 1981 statt, initiiert und gefördert von der Senatsverwaltung für Kultur. Ab 1984 wurde der Ballsaal im dritten Obergeschoss allerdings selten genutzt. Der 1985 geplante Schamoni Sender „Kanal 7“ setzte sich nicht durch. Im Kinosaal wurden gebrauchte Möbel von der Firma Sembach verkauft. Durch diese Nutzung wurde der Raum unverändert erhalten.
1985 wurde die Passage unter Denkmalschutz gestellt.

Das Neuköllner Kulturamt, unter Leitung von Frau Dr. Kolland, die Neuköllner Oper unter der Leitung von den Herren Radecke und andere suchten in den 80er Jahren eine Finanzierungsmöglichkeit, um den Ballsaal als feste Spielstätte der Neukölner Oper zu nutzen. Sie wurden von der Senatsverwaltung für Bau- und Wohnungswesen sowie für Kultur und von der Denkmalschutzbehörde tatkräftig unterstützt. Von 1987 bis 1989 wurde der Ballsaal und andere Räume für die Spielstädte der Neuköllner Oper zu einem Theatersaal umgebaut.
Der Umbau des Kinos durch die
Yorck-Kino GmbH, um dort wieder Filme zu zeigen, stellte sich als sehr kompliziert heraus. Die Auflagen der Denkmalschutzbehörde und die Durchführung der Schallisolierung zusammenzubringen, war hierbei die größte Herausforderung. Die Filme waren bedeutend lauter als in den 20er Jahren. Es gelang aber, die Jugendstildecke im Kino und die Kassettendecke im Theatersaal zu erhalten.

 

Lageplan 1910
1910 Restaurant
1936 Hof 01
1936 Hof 02
1936 K-M 03
1950 Hof
1950 Saal
1981 K-M
1986 Kino 01
1986 SF 01
1989 Hof
1991 Kino 01 1991 Kino 02
1989 Kino 00
1991 Kino Kino Eitrittskarte 01 Gesellschaftshaus mit Scharm Treppenläufe und Steg Steg v. Theke aus
1981 R
1983 K-M 03
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Fassade NO 3Ebenen
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Fassade NO Teilausschnitt
Gabi Fink